Thomas Hengelbrock (* 9. Juni 1958 in Wilhelmshaven) ist ein deutscher Violinist, Dirigent und Spezialist für historische Aufführungspraxis.
Thomas Hengelbrock studierte Violine bei
Rainer Kussmaul, danach begann eine Karriere als Violinist in Würzburg und Freiburg. Wichtige künstlerische Anregungen erhielt er als Assistent von
Witold Lutosławski,
Mauricio Kagel und
Antal Doráti. Er musizierte zunächst in verschiedenen Ensembles wie dem Concentus Musicus unter
Nikolaus Harnoncourt. Im Jahr 1985 war er einer der Mitbegründer des
Freiburger Barockorchesters, in dem er bis 1997 als Musiker und Dirigent wirkte. Von 1988 bis 1991 arbeitete er mit den Amsterdamer Bachsolisten.
Thomas Hengelbrock gründete 1991 den Balthasar-Neumann-Chor und 1995 das gleichnamige Orchester (Balthasar-Neumann-Ensemble). Mit beiden Ensembles führt er nach den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis Werke aus der Barockzeit bis hin zur Moderne auf.
Verdis Opern
Rigoletto und
Falstaff beispielsweise ließ der Dirigent sein Orchester bei den Pfingstfestspielen 2004 und 2007 in Baden-Baden auf historischem Instrumentarium spielen.
Von 1995 bis 1999 wählte ihn die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen zum künstlerischen Leiter. Im Jahr 2000 wurde er Musikdirektor der Volksoper Wien und blieb dort bis 2003.
Hengelbrock gründete 2001 das Feldkirch Festival und wirkte dort bis 2006 als künstlerischer Leiter.
Als Dirigent folgt Hengelbrock Einladungen internationaler Orchester. So arbeitete er unter anderem mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem
Chamber Orchestra of Europe.
Seine Konzertdramaturgie ist durch ungewöhnliche Programmkonzeptionen charakterisiert, die neue Erkenntnisse der Musikwissenschaft einbezieht. Er spielte Werke heute kaum mehr bekannter Komponisten aus J. S. Bachs Notenbibliothek auf CD ein, gestaltet innovative Programme; so konzipierte er beispielsweise für die EXPO 2000 in Hannover eine „Ekklesiastische Aktion“ mit Werken von B. A. Zimmermann, Ligeti und
J. S. Bach. Hengelbrock arbeitet eng mit zeitgenössischen Komponisten zusammen, darunter Jan Müller-Wieland, Quigang Chen, Erkki-Sven Tüür und Simon Wills.
Gemeinsam mit dem österreichischen Schauspieler Klaus Maria Brandauer realisierte Hengelbrock halbszenische Aufführungen von Werken wie
Manfred (Byron/
Schumann),
Peer Gynt (Ibsen/
Grieg) und Egmont (Goethe/
Beethoven).
Mit dem Musiktheater setzte sich Hengelbrock nicht nur als Musiker und Dirigent auseinander, sondern führt bei einigen Produktionen mit seinem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble auch selbst Regie. Beim Feldkirch Festival 2006 inszenierte er Mozarts
Don Giovanni und eröffnete die Reihe „Mozart 22“ der Salzburger Festspiele 2006 mit
Il re pastore.
Für die Pariser Oper arbeitete der Dirigent mit der Ballett-Choreographin Pina Bausch zusammen; 2005 und in einer Wiederaufnahme 2008 wurde die „opéra dansé“
Orpheus und Eurydike von
Christoph Willibald Gluck mit Balthasar-Neumann-Chor, -Ensemble und dem Ballet de l'Opéra de Paris im Palais Garnier und dem antiken griechischen Theater in Epidaurus aufgeführt.
Das Konzerthaus Dortmund widmete Thomas Hengelbrock in der Saison 2008/09 eine „Zeitinsel“ mit drei Vorstellungen, u. a. der konzertanten Einspielung mit dem
Mahler Chamber Orchestra der Oper Der Freischütz von
Carl Maria von Weber (später im Festspielhaus Baden-Baden in Szene gesetzt und von ARTE übertragen), sowie mit dem Balthasar-Neumann-Ensemble und Chor die h-Moll-Messe von
Johann Sebastian Bach.
2011 wird Hengelbrock zusammen mit Sebastian Baumgarten den
Tannhäuser bei den Bayreuther Festspielen realisieren.
Ab der Spielzeit 2011/2012 wird Thomas Hengelbrock als Nachfolger
Christoph von Dohnányis – zunächst für drei Jahre – Chefdirigent des
NDR Sinfonieorchesters sein.